Reifendruck und Bodenverdichtung im Sommer: Was Ihnen niemand sagt

Ende August beginnen einige landwirtschaftliche Betriebe bereits mit den Vorbereitungen auf den kommenden Winter, während andere noch mitten in der Hochsaison stecken. Die späte Gersten- und Weizenernte fällt mit der Ernte früher Apfel- und Birnensorten zusammen. Während die Silageernte noch läuft, nehmen die Kampagnen für Zuckerrüben und Mais Gestalt an, und die Weinlese steht kurz bevor.
In solch arbeitsintensiven Wochen ist der Reifendruck nicht nur ein Detail bei der Maschineneinstellung. Im Gegenteil: Der richtige Reifenfülldruck ist einer der Faktoren, die darüber entscheiden, ob die schwersten Überfahrten dieser Saison den Boden schützen oder schädigen und ob die Maschinen genau dann ihre volle Leistung erbringen, wenn es darauf ankommt.
Warum in dieser Jahreszeit besonders viel auf dem Spiel steht
Ton- und Lehmböden können nach einem langen Sommer an der Oberfläche fest erscheinen, doch die darunterliegende Struktur ist bereits geschwächt. Austrocknung kann zu Schrumpfung, Oberflächenverhärtung und Rissbildung führen. Wenn Regen oder Feuchtigkeit auf den trockenen Boden zurückkehren, kann das Bodenprofil unter schweren Lasten anfälliger für Verformungen werden. Genau in diesem Moment können landwirtschaftliche Maschinen und Geräte schnell Verdichtungsschäden verursachen, wenn sie auf das Feld fahren, bevor die Bedingungen dafür geeignet sind. Spät geerntete Kulturen wie Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln sind besonders gefährdet, da sie für das Wurzelwachstum und die Wasseraufnahme eine lockere, gut durchlüftete Bodenstruktur benötigen. Deshalb ist das, was an der Kontaktfläche zwischen Reifen und Boden geschieht, zu dieser Jahreszeit besonders wichtig.
Das Zusammenspiel von Reifen und Boden: Warum der Druck entscheidend ist
Landwirtschaftsreifen bilden die Schnittstelle zwischen Maschine und Boden. Sie setzen Leistung in Bewegung um, übertragen die Zugkraft und tragen das Gewicht der Maschinen, Geräte und Lasten. Gleichzeitig beeinflussen sie, wie dieses Gewicht auf den Boden übertragen wird. In diesem Sinne „verursacht“ der Reifen die Verdichtung nicht allein, sondern beeinflusst vielmehr, auf welche Weise die Belastung auf den Boden einwirkt.
Deshalb ist der Reifenfülldruck so wichtig. Er bestimmt die Form der Aufstandsfläche, und diese wiederum bestimmt, wie das Gewicht verteilt wird. Bei höheren Druckwerten konzentriert die kleinere Kontaktfläche die Kraft auf eine geringere Bodenfläche. Wird der Druck auf den richtigen Wert für den Feldeinsatz abgesenkt, tritt der gegenteilige Effekt ein: Das Gewicht verteilt sich gleichmäßiger auf eine größere Kontaktfläche, wodurch das Verdichtungsrisiko sinkt.
Bei einer solchen Handhabung wird der Reifendruck zu einer Einstellung, die für die jeweiligen Feldbedingungen und die anstehende Arbeit vorgenommen wird, anstatt ein fester Wert zu bleiben, der seit der letzten Kontrolle unverändert ist. Ist er richtig eingestellt, wird der Boden geschützt, ohne die erforderliche Tragfähigkeit der Maschinen einzuschränken, unabhängig davon, ob sie gerade auf das Feld fahren oder auf die Straße zurückkehren.
Felddruck und Straßendruck sowie weitere wichtige Faktoren
Wie wir bereits in unserem Artikel über den Reifenfülldruck bei Landwirtschaftsreifen erläutert haben, erfordern der Feld- und der Straßeneinsatz unterschiedliche Einstellungen: einen niedrigeren Druck auf dem Feld zum Schutz des Bodens und einen höheren Druck auf der Straße, um Geschwindigkeit und Stabilität zu gewährleisten.
Die gleiche Logik gilt für das gesamte Maschinengespann. Selbst wenn der Reifenfülldruck des Traktors korrekt eingestellt wurde, werden die schwersten Lasten häufig von Anhängern, Tankwagen und Anbaugeräten getragen. Für den Boden spielt es keine Rolle, welche Achse den Schaden verursacht hat. Wenn auch nur ein Element der Arbeitskette einen zu niedrigen oder zu hohen Reifenfülldruck aufweist, kann dies den Nutzen aller anderen korrekt eingestellten Reifen verringern.
Wird der Reifendruck auf diese Weise gehandhabt, ist er keine Kompromisseinstellung mehr, die zwischen Straßenfahrt und Erntearbeit liegt. Stattdessen wird er zu einem festen Bestandteil des Feldeinsatzes und wie jeder andere Aspekt einer Überfahrt kontrolliert und angepasst. Genau hier beginnt die Reifentechnologie, die Arbeit zu erleichtern.
Was VF-Reifen leisten können
Very-High-Flexion-Reifen, kurz VF-Reifen, können bei einem niedrigeren Reifenfülldruck höhere Lasten tragen als ein Standard-Radialreifen gleicher Größe. Bei gleichem Druck können VF-Reifen etwa 40 Prozent mehr Last tragen als Standardreifen. Alternativ kann dieser Vorteil genutzt werden, um bei gleicher Last mit einem niedrigeren Reifenfülldruck auf dem Feld zu arbeiten.
Die VF-Technologie fügt sich ideal in dieses Konzept ein. Sie ersetzt kein gutes Druckmanagement, bietet dem Fahrer jedoch einen größeren Handlungsspielraum, wenn es darum geht, die Bodenstruktur zu schützen, ohne auf Tragfähigkeit zu verzichten. Mit anderen Worten: VF-Technologie hilft dem Reifen, seine Aufgabe auf dem Feld effizienter zu erfüllen. Der Reifendruck muss jedoch weiterhin passend zu Last, Geschwindigkeit und Einsatz eingestellt werden.
Mitas verfolgt diesen Ansatz in seinem gesamten Landwirtschaftsreifen-Sortiment, von Traktorreifen wie dem GRANTERRA bis hin zu Reifen für landwirtschaftliche Geräte wie dem TERRAGUARD. Beide wurden dafür entwickelt, bei einem niedrigeren Reifenfülldruck höhere Achslasten zu tragen und gleichzeitig das Gewicht auf eine größere Kontaktfläche zu verteilen, um die Bodenverdichtung zu begrenzen.
Bei Hochleistungstraktoren und Erntemaschinen setzt Mitas dasselbe Prinzip mit der SFT-Reihe um. Ein besonders großes Luftvolumen und hochflexible Seitenwände ermöglichen selbst unter schwersten Lasten einen niedrigen Reifenfülldruck. So wird der Boden geschützt, ohne dass diese größeren Maschinen Leistungseinbußen hinnehmen müssen.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt zum Handeln
Die Saison lässt wenig Raum für Fehler, doch die Lösung beruht auf einigen einfachen Gewohnheiten: den Reifendruck an die Feldbedingungen statt an die Straßenfahrt anzupassen, jeden Reifen des gesamten Maschinengespanns und nicht nur die Reifen des Traktors zu kontrollieren sowie eine Technologie zu wählen, die einen niedrigeren Druck ermöglicht, ohne die Tragfähigkeit zu beeinträchtigen. Nichts davon ist kompliziert, doch entscheidend ist, vor dem Entstehen einer Bodenverdichtung zu handeln und nicht erst danach.
Wenden Sie sich an Ihren Mitas-Händler, um den richtigen Reifendruck und die passende Reifenwahl für Ihren Fuhrpark zu überprüfen. Alternativ können Sie vor der nächsten Überfahrt mit dem Reifendruckrechner von Mitas Ihre aktuelle Einstellung kontrollieren.

